Was wusste die Bundeswehr?
[30.07.2010] Haben US-Kräfte im deutschen Kommandobereich in Afghanistan Aufträge zu gezielten Tötungen erhalten und was wusste die Bundeswehr darüber? Diese Fragen werfen die bei Wikileaks veröffentlichten Geheimdokumente auf, so Omid Nouripour im Gespräch mit der TAZ.
Auszug aus einem Artikel der TAZ vom 30. April 2010:
Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour sagte der taz, in einigen der Dokumente gebe es Hinweise darauf, dass amerikanische Spezialkräfte im Auftrag der Internationalen Schutztruppe Isaf gezielte Tötungen auch im deutschen Einsatzgebiet ausgeführt haben. Allerdings seien die Wikileaks-Dokumente nicht unbedingt valide. "Deshalb muss sich die Bundesregierung dazu äußern", sagt Nouripour.
Die Grünen bemängeln, der Verteidigungsausschuss sei nicht ausreichend über die Aktivitäten der amerikanischen Task Force 373 informiert worden, die schon länger auch vom deutschen Lager in Masar-i-Scharif aus operiert. Es wäre schließlich auch denkbar gewesen, dass sie dort "Capture or Kill"-Aufträge ausführt, Aufständische also nur tötet, falls es nicht gelingt, sie gefangen zu nehmen. "Das wäre auch schon grenzwertig gewesen, aber man hat uns nie erzählt, dass diese Spezialkräfte möglicherweise reine Tötungsaufträge erhalten", sagt Nouripour. (...)
Vor diesem Hintergrund fragen sich die Grünen, ob die Isaf das US-Kommando beauftragt hat, im deutschen Kommandobereich Aufständische gezielt zu töten und ob die Bundeswehr davon wusste. "Denn das würde bedeuten, dass die Deutschen die Namen von Menschen nennen, die sie gerne getötet sehen wollen, und dann wegschauen und nichts mehr davon wissen möchten", sagt Nouripour.
Dass das geheime US-Kommando 373 mit dem deutschen Geheimkommando 47 zusammenarbeitet, das ebenfalls in Masar-i-Scharif stationiert ist, kann sich Nouripour eher nicht vorstellen. "Das wäre extrem unüblich."
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